Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

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Kapitalmarkt

Portfolio Insights - September 2021

 

 

Kommentar

Depesche - September 2021

Vor Kurzem hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre neue geldpolitische Strategie verabschiedet. Die künftige, im Juli beschlossene Richtung ist das Ergebnis einer seit Januar 2020 durchgeführten, eingehenden Überprüfung, die der EZB-Rat zuletzt 2003, also vor 18 Jahren, vorgenommen hatte. Zu den beschlossenen Veränderungen zählen ein neues Inflationsziel sowie der Anspruch, als Notenbank grüner und ökologischer zu werden: Künftig wird mittelfristig ein Inflationsziel von 2 % angestrebt. Bisher lag es „nahe an, aber unter 2 %“. Das neue Ziel ist symmetrisch, das heißt negative Abweichungen vom Zielwert sind ebenso unerwünscht wie positive. Zudem hat der Rat anerkannt, dass der Klimawandel weitreichende Folgen für die Preisstabilität hat, und sich daher zu einem klimabezogenen Maßnahmenplan verpflichtet.

Kritiker argumentieren, dass die unabhängige Institution mit der neuen Ausrichtung ihre eng gesetzten Grenzen überschreitet und riskiert, zu einem politischen Akteur zu werden. Prinzipiell verfügt die europäische Notenbank nämlich über wenig Handlungsspielraum: Sie hat ein sehr enges Mandat mit der vorrangigen Aufgabe, Preisstabilität zu gewährleisten sowie die Umsetzung der Geldpolitik.

Die neue Strategie der EZB zeigt auch für uns, dass Notenbanken, darunter auch die US-Zentralbank Fed, politischer werden – und damit ihre Unabhängigkeit einbüßen. Mit Christine Lagarde ist seit November 2019 erstmals kein gelernter Ökonom, sondern eine Politikerin Vorsitzende der Europäischen Zentralbank. Da die neue Geldpolitik der EZB besagt, dass die Inflation zukünftig einen Wert von 2 % temporär übersteigen darf, besteht die Gefahr, dass die Zentralbank nicht länger über eine klare Inflationsgrenze verfügt, sondern sie diese – zumindest ein Stück weit – selbst definieren kann. Und auch wenn der Klimaschutz ein sehr aktuelles und zeitgemäßes Thema umfasst, das Gesellschaft, Politik und Finanzunternehmen seit Längerem beschäftigt, ist es kein geldpolitisches: Hart formuliert greift die EZB damit politisch in den Markt ein.

Insgesamt bestätigt die neue Strategie den bisherigen lockeren geldpolitischen Kurs der Zentralbank, die sich auch fortan mehrere Möglichkeiten offenhält, an ihrer Niedrigzinspolitik festzuhalten. Und so wird es für Sparer wohl auch auf absehbare Zeit keine nennenswerten Zinsen geben. Für einen langfristigen Vermögenserhalt und -aufbau sind daher unserer Meinung nach Investitionen in Aktien und andere Realwerte unumgänglich. Wir halten in unserem Portfolio derzeit ein Aktienübergewicht und schützen uns mit einem erhöhten Rohstoffanteil in Höhe von 9 % des Gesamtportfolios weiterhin vor einem möglichen Inflationsanstieg.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - August 2021

 

 

Kommentar

Depesche - August 2021

Im Juni stieg die Inflationsrate in den USA über ein Jahr gerechnet weiter an und verzeichnete mit 5,4 % ihren Höchststand seit September 2008. Auch in der Eurozone legte die Inflation im selben Zeitraum spürbar zu und stieg auf 1,9 %, in Deutschland auf 2,3 %. In diesem Kontext stellt sich die wichtige Frage: Bleibt die Inflation so hoch und legt noch zu, oder lässt sich der Anstieg durch einen einmaligen Effekt erklären?

Die Gesamtverschuldung vieler Länder hat durch die Coronaviruskrise deutlich zugenommen. In Deutschland stieg sie auf 2.200 Milliarden Euro – ein neues Allzeithoch. Die Schuldenquote Deutschlands, also die Höhe der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, liegt 2021 bei rund 80 %. Verglichen mit Ländern wie Japan (257 %) ist das noch immer ein moderates Niveau.

Die Neuverschuldung, die mit zahlreichen Hilfspaketen für Arbeitnehmer und Unternehmen einherging, hat zu einer steigenden Geldmenge geführt. Dieser Anstieg der Geldmenge könnte zu einem langfristigen Anstieg der Inflation führen, so die Befürchtung vieler Beobachter. Auf eine steigende Inflation müssten die Zentralbanken wiederum mit Zinserhöhungen reagieren. Dies können sich einige Länder aber nicht leisten. Die Zentralbanken sahen sich aufgrund ihres beschränkten Zinsspielraumes daher gezwungen, den Auswirkungen der Coronakrise mit einer historischen Ausweitung ihrer Bilanzen zu begegnen. Zuletzt wurde dieser steile Zuwachs der Zentralbankenbilanzen durch die sich gut erholende Weltwirtschaft wieder etwas eingedämmt.

Betrachtet man die Preissteigerung verschiedener Waren und Dienstleistungen in den USA über ein Jahr, zeigt sich, dass sich die Preise für einzelne Bereiche wie Nahrungsmittel, Energie, Dienstleistungen oder sonstige Güter stark unterschiedlich entwickelt haben. Am stärksten sind mit 54,5 % die Preise für Energierohstoffe (Benzin und Heizöl) gestiegen. Dies ist besonders auf den Basiseffekt zurückzuführen: Anfang Mai 2020 lag der Rohölpreis für ein Barrel WTI bei 20 US-Dollar, ein Jahr später bei 65 US-Dollar. Das größte Gewicht bei der Zusammensetzung der US-Verbraucherpreise (CPI) stellen Dienstleistungen ohne Energie, zum Beispiel die Preise für medizinische Dienstleistungen oder Mietkosten, mit einem Anteil von etwa 57 %. Diese haben sich um 2,9 % verteuert. Treiber der US-Inflation waren also insbesondere die Preise für Energie, aber auch für Automobile und Dienstleistungen.

Insgesamt ist die Inflationsrate in den Mitgliedsländern der OECD in den letzten 50 Jahren signifikant gefallen. Seit etwa 20 Jahren verläuft sie größtenteils seitwärts. Langfristige Megatrends wie der technologische Fortschritt, durch den die Produktionskosten abnehmen, und der demografische Wandel, durch den sich die Anzahl der Arbeitskräfte und Konsumenten reduziert, üben dauerhaft eine deflationäre Wirkung aus. Auch die Globalisierung, insbesondere die Einbindung von China in die Weltwirtschaft, hatte stark deflationäre Auswirkungen. Wir sind daher aktuell der Meinung, dass es sich bei dem aktuellen Inflationsanstieg nur um eine vorübergehende Situation handelt. Um unser Portfolio vor einem unerwarteten Anstieg der Inflation zu schützen, haben wir es mittels eines Rohstoff-ETFs (Exchange-traded Fund) ohne Agrarrohstoffe noch breiter diversifiziert.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Juli 2021

 

 

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Depesche - Juli 2021

Die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit rücken seit mehreren Jahren immer weiter in den Fokus von Gesellschaft, Politik und Unternehmen. Ende März dieses Jahres verpflichtete das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung zur Nachbesserung ihres Klimaschutzgesetzes. In der Finanzbrache hat sich als Standard für eine nachhaltige Kapitalanlage die Abkürzung „ESG“ etabliert, was für „Environmental, Social, and Corporate Governance“, zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, steht. Diese drei Verantwortungsbereiche von Unternehmen betreffen Umweltthemen wie Umweltverschmutzung oder -gefährdung, Treibhausgasemissionen oder Energieeffizienzthemen, soziale Verantwortung in Bereichen wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Diversity oder gesellschaftliches Engagement sowie eine nachhaltige Unternehmensführung mit entsprechenden Unternehmenswerten, Steuerungs- und Kontrollprozessen.

Ziel von ESG und den mit ihm einhergehenden Kriterien ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer die Wirtschaft ihren Beitrag zu einem nachhaltigen Wachstum leistet, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht, und die unternehmerische Sozialverantwortung der Firmen zu fördern. Für Finanzunternehmen stellt sich dabei die Frage nach einer verantwortungsbewussten unternehmerischen Haltung bei den getätigten Investitionen und wie sie Kapital in ökologisch und sozial sinnvolle Vorhaben und nachhaltige Firmen investieren können.

Um dies umzusetzen, erhalten Unternehmen ein Rating anhand verschiedener ESG-Kriterien. Wir als Investoren beziehen diese dann in die Analyse von Wertpapieren mit ein, um ökologische, soziale und ethische Konsequenzen von Investitionen in Firmen und Staaten zu berücksichtigen und zu bewerten. Ein wichtiger Faktor dabei ist das Umfeld, in dem das zu beurteilende Unternehmen tätig ist. Im Energiesektor können das etwa Umweltkriterien sein wie CO2-Emissionen, der Anteil erneuerbarer Energien oder die Einhaltung von Umweltrichtlinien. Im Dienstleistungsbereich stehen soziale Kriterien wie die Produkthaftung, Tarifabschlüsse oder die Einhaltung von Antidiskriminierungsrichtlinien im Vordergrund.

Wir von Reimann Investors haben grundsätzlich ein erhebliches Interesse daran, unserer Verantwortung für eine nachhaltige Kapitalanlage gerecht zu werden. Die diesbezüglichen aktuellen Rahmenbedingungen befinden sich teilweise noch in Klärung. Aktuell steht für Reimann Investors bei der Analyse von ESG-Daten das Erkennen möglicher Risiken im Vordergrund. Zudem betrachten wir unsere Investitionen von jeher ganzheitlich und haben so bereits in der Vergangenheit regelmäßig auf Trends und Unternehmen gesetzt, die mit zukunftsweisenden und nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen eine gesunde Balance zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit gefunden haben. Aktuell nutzen wir insbesondere zwei Methoden: In unserem Anlagekern investieren wir vorzugsweise zum einen in ESG-konforme ETFs (Exchange-traded Funds). Im Rahmen unserer Einzelaktienstrategien haben wir zudem das ESG-Unternehmensrating in unsere Bewertung integriert und bevorzugen diejenigen Unternehmen, die unter anderem einen hohen Nachhaltigkeitsscore aufweisen.