Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

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Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Mai 2022

 

 

Kommentar

Depesche - Mai 2022

Die hohe Inflation, der russische Angriffskrieg und das Coronavirus – neben vielen weiteren Themen bewegen derzeit vor allem diese drei Wirtschaft und Kapitalmärkte. Nachdem sich Aktien nach Ausbruch der Coronakrise bereits im vergan- genen Jahr wieder deutlich und weit über ihr Vorkrisenniveau hinaus erholt hatten, haben Aktien und Anleihen seit Beginn 2022 aufgrund der hohen Inflation und der geldpolitischen Wende der Notenbanken merklich an Wert verloren. Norma- lerweise zeigen sich Anleihen in Krisenzeiten deutlich wertstabiler als Aktien. Dies ist aktuell aber leider nicht der Fall.

Welche Maßnahmen lassen sich also in solch einer Situation ergreifen? Hierbei gilt in der Asset-Allokation, was sich oft auch in anderen Bereichen bewährt: Flexibilität ist Trumpf. Alternative Assetklassen wie Rohstoffe und alternative Investmentfonds können gerade in volatilen Marktphasen das Rendite-Risiko-Profil deutlich verbessern. Die Asset-Allokation, also die Gewichtung der Assetklassen zueinander, ist entscheidend für das langfristige Rendite-Risiko-Profil. Im Vergleich zu einem klassischen 50:50-Portfolio aus Aktien und Anleihen kann eine zusätzliche Allokation von Rohstoffen und liquiden alternativen Investments die Rendite erhöhen und gleichzeitig das Risiko senken.

Investitionen in Rohstoffe sind durch Indexfonds möglich. Auch wenn Rohstoffe für den langfristigen Vermögensaufbau nicht geeignet sind, gewannen sie in der Vergangenheit oft in Phasen mit steigender Inflation. Rohstoffe betrachten wir daher als taktisches Investment, um uns vor Inflationsrisiken und der gestiegenen geopolitischen Unsicherheit zu schützen. Liquide alternative Investments setzen meist quantitativ fundierte Strategien ein und nutzen zur Umsetzung Hebelprodukte. Hiermit können einerseits neue Renditequellen erschlossen und andererseits Absicherungsstrategien umgesetzt werden. Alternative Investments können einen wichtigen Beitrag zur Risikoreduktion leisten und Anleihen als Risikopuffer teilweise ersetzen. Unsere einzelnen Positionen innerhalb dieser Assetklasse sind so ausgewählt, dass sie sich gegenseitig in dem Ziel ergänzen, das Risiko für das Gesamtportfolio zu reduzieren. Sie bewährten sich bereits Anfang 2022 im Reimann Investors Vermögensmandat. In Rohstoffe sind wir derzeit zusätzlich im Rahmen unserer Sektor- und SORT-Strategien verstärkt investiert, den Anteil alternativer Investmentfonds haben wir ebenfalls erhöht.

Die wahrscheinlich wichtigsten Faktoren für die weitere Entwicklung der Kapitalmärkte sind der Russland-Ukraine-Krieg und die Inflation. Sollte sich der Russland-Ukraine-Krieg weiter zuspitzen, so würden vermutlich die Kurse europäischer Aktien und Unternehmensanleihen fallen. Die Rohstoffpreise würden wahrscheinlich weiter steigen. Ebenso dürfte der US-Dollar weiter erstarken. Sollte sich die Situation zwischen Russland und der Ukraine entschärfen, würden vermutlich die Kurse europäischer Aktien und Unternehmensanleihen steigen. Auch der Euro würde wohl erstarken. Die Rohstoffpreise hingegen dürften fallen. Um das Portfolio bei wechselnden und schwer vorhersehbaren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu steuern, ist Flexibilität bei der Asset-Allokation also ein entscheidendes Instrument. Um für Sie einen langfristigen Vermögensaufbau zu erzielen, diversifizieren wir unsere Investitionen daher über verschiedene Anlageklassen und streuen diese zudem breit innerhalb einzelner Assetklassen. 

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - April 2022

 

 

Kommentar

Depesche - April 2022

Am 24. Februar ist Russland in die Ukraine einmarschiert. Ein sehr einschneidendes Ereignis, auf das die Kapitalmärkte seitdem mit heftigen Kursschwankungen reagieren. Unter den wirtschaftlichen Folgen des Krieges und den von Regierungen weltweit verhängten Sanktionen leidet insbesondere Europa, das in hohem Maße von russischem Erdöl und Erdgas abhängig ist: Laut Internationaler Energieagentur (IEA) umfassten russische Erdgas-Lieferungen 2021 etwa 45 % der Gasimporte der Europäischen Union (EU) und fast 40 % des gesamten EU-Gasverbrauchs. Insbesondere Aktienindizes in Europa verzeichnen daher deutliche Kursverluste. Die USA sind energiewirtschaftlich autonomer und daher sowie aufgrund der räumlichen Entfernung vom Kriegsgeschehen weniger von der Situation betroffen. Zum US-Energieimport-Stopp aus Russland sagte US-Präsident Joe Biden, die USA würden mehr Erdöl produzieren als alle europäischen Länder zusammengenommen. Die Kurseinbrüche amerikanischer Aktien fielen daher geringer aus. Zugleich zeigte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Mitte März optimistisch, dass die EU ihre Energieabhängigkeit von Russland schneller reduzieren könne als gedacht, da etwa die benötigte Menge Gas für diesen Winter bereits eingekauft sei.

Auch die Inflation wird durch die steigenden Energie- und Rohstoffpreise, darunter Metalle und Agrarrohstoffe, weiter steigen. Die Zentralbanken setzt dies zusätzlich unter Druck, sie befinden sich in einem Dilemma: Wenn sie die Zinsen erhöhen, um so die Inflation zu bekämpfen, riskieren sie einen wirtschaftlichen Abschwung. Und würden das noch von der Corona-Pandemie gebeutelte Wachstum gefährden. Dennoch wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wohl an ihren geplanten Zinsschritten festhalten – immerhin bis zu sieben in diesem Jahr. Den ersten vollzog sie auf ihrer Sitzung im März. Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt sich weiter abwartend, hat allerdings jüngst angekündigt, ihre Anleihekäufe möglicherweise schneller als bisher geplant zu beenden, nämlich bereits im dritten Quartal dieses Jahres.

Was bedeutet dies alles für unser Portfolio? Bereits im Vorfeld des russischen Angriffs hatten wir damit begonnen, unsere Anlagen breiter zu diversifizieren: Wir haben unseren Anteil an Rohstoffen und Alternativen Investments ausgebaut und noch vor dem Ende der Olympischen Winterspiele unsere Aktienquote verringert. Seit Kriegsbeginn haben wir Aktien aus Europa abgesichert und unsere Aktienquote auf bis zu 40 % reduziert, um die negativen Auswirkungen auf unsere Fonds abzumildern. Unseren Rohstoffanteil halten wir weiterhin hoch: Dies hat sich sehr positiv auf unsere Vermögensmandate ausgewirkt. Unsere Alternativen Investments steigerten ihren Wert durch die erhöhte Volatilität und unser Portfolio profitierte, da es ja global aufgestellt ist, vom deutlichen Anstieg des US-Dollars gegenüber dem Euro. Aufgrund der hohen Inflation und Notenbankentscheidungen halten wir unseren Anleihenanteil weiterhin niedrig.

Wladimir Putin beschwört in seinen Reden eine neue Weltordnung. Allerdings funktioniert moderne Kriegsführung nur bedingt über Waffengewalt: Nahezu die gesamte Welt hat Sanktionen gegen Russland verhängt, die globale Marktwirtschaft hat sich als eine sehr mächtige Waffe entpuppt. Bislang hat sich auch unser überlegtes Vorgehen bewährt: Unsere aktiven Portfolio-Maßnahmen greifen, denn wir haben Verluste und Risiken derzeit erfolgreich abfedern können.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - März 2022

 

 

Kommentar

Depesche - März 2022

Steht uns in diesem Jahr eine Zeitenwende an den Kapitalmärkten bevor? Vor allem die Coronapandemie hat in den vergangenen zwei Jahren vieles durcheinandergewirbelt. Infolge der Coronapolitik und ihrer Maßnahmen war die Weltwirtschaft 2020 um –3,1 % geschrumpft. Im vergangenen Jahr war das Wachstum in allen großen Wirtschaftsräumen teils deutlich positiv. Die Wirtschaft wuchs 2021 um 5,9 %. Und auch für 2022 erwarten Ökonomen eine sich weiter fortsetzende Erholung der globalen Konjunktur in Höhe von 4,3 %. Die Inflationsraten waren 2021 ebenfalls, im Gegensatz zu vielen Jahren vorher, in zahlreichen Regionen stark angestiegen und befinden sich auch aktuell in mehreren Industrienationen auf einem historisch hohen Niveau. Nicht nur die Energiepreise hatten sich verteuert, auch die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel hatte stark zugelegt. In den USA erreichte die Inflation das höchste Niveau seit über 40 Jahren. Nur in Japan verharrt sie auf niedrigem Niveau. Dort verhindert das schwache Konsumumfeld, dass Produzenten ihre gestiegenen Kosten an die Verbraucher weitergeben. Für die kommenden Jahre prognostizieren Ökonomen einen Rückgang sowie eine Normalisierung der Inflationsraten in den USA und der Eurozone.

Abhängen wird dies davon, wie schnell sich die globalen Lieferketten von der Pandemie erholen können. Denn: Die stark angestiegenen Lieferzeiten und der Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten sind weiterhin ein großes Problem für Unternehmen weltweit. Allerdings hat sich die Situation in den vergangenen Monaten etwas verbessert. Die Lieferzeiten sind im Mittel wieder rückläufig und weniger Unternehmen berichten von Verzögerungen. Der Baltic Dry Index misst die Verschiffungskosten von Rohstoffen und ist somit ein wichtiger Indikator für den Welthandel. Vom Höchstwert im Oktober 2021 ist der Index wieder auf das Niveau von Juli 2020 zurückgegangen. Ein Risiko für die Lieferketten ist die Null-Covid-Politik in China, was zu erneuten Hafenschließungen führen könnte. Zugleich sind die Gewinnerwartungen der Unternehmen für das laufende Jahr positiv. So erwarten Analysten für die im S&P 500 enthaltenen Unternehmen für 2022 eine Gewinnsteigerung um 6 %. Für die 600 größten europäischen Unternehmen wird für das aktuelle Kalenderjahr sogar ein Gewinnwachstum von 7,8 % vorausgesagt. Für die Schwellenländer hingegen wird lediglich ein Gewinnwachstum von 4,8 % angenommen. Ein Gewinnrückgang und eine damit einhergehende konjunkturelle Abkühlung wird aktuell weder in den Industrienationen noch in den Schwellenländern erwartet.

Und auch in der Notenbankpolitik steht 2022 für Veränderung: Die Kapitalmärkte preisen mindestens sechs Zinserhö- hungen in den USA ein, beginnend ab März. In der Eurozone kündigte EZB-Chefin Christine Lagarde Anfang Februar ein langsames Zurückfahren des Anleihenkaufprogramms an. Für die Leitzinsen erwarten die Kapitalmärkte hingegen nur eine leichte Anhebung der Negativzinsen in Richtung null, aber keine Zinsschritte in den positiven Bereich.

Was bedeutet das alles für die Kapitalmärkte im laufenden Jahr? Keine Zeitenwende, aber doch herausforderndere Zeiten für die Finanzmärkte. Dennoch: Aktien bleiben weiterhin die wichtigste Anlageklasse für einen langfristigen Vermögensaufbau, da sie an einer wachsenden Realwirtschaft partizipieren. Durch die Kurskorrektur im Januar 2022 haben sich die vormals hohen Bewertungen an den Aktienmärkten wieder normalisiert. Zugleich zeigen langjährige Betrachtungen, dass in Phasen, in denen die Fed ihre Leitzinsen erhöht, Aktienrenditen geringer ausfallen als in Phasen expansiver Geldpolitik. In diesem Umfeld bevorzugen wir daher sogenannte Value-Aktien, also mehr defensive Titel wie Basiskonsumgüter und Versorger. Zudem sind im vergangenen Jahr die geopolitischen Risiken stark angestiegen. Da historisch über längere Zeiträume gesehen der Goldpreis stieg, wenn geopolitische Risiken zunahmen, und sank, wenn sich die Lage beruhigte, kann eine dauerhafte strategische Allokation von Gold im Portfolio zur Risikoreduktion beitragen.