Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

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Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Juli 2020

 

 

Kommentar

Depesche - Juli 2020

Innerhalb weniger Wochen rutschte die Weltwirtschaft infolge der schnellen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in eine tiefe Rezession. Die Ankündigungen fiskal- und geldpolitischer Stützungsmaßnahmen durch nahezu alle Regierungen und Notenbanken in historischem Ausmaß stabilisierten die Märkte, erhöhten aber auch die Geldmenge in großem Umfang. Kommt in einer Welt nach Corona also die Inflation?

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der renommierte US-amerikanische Ökonom Irving Fisher die bis heute zeitgemäße Form der Quantitätstheorie des Geldes, welche die Zusammenhänge zwischen der nominalen Geldmenge, der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, des realen Bruttoinlandsproduktes und des Preisniveaus darstellt. Das Preisniveau wird demnach generell von drei Einflussfaktoren bestimmt. In der Coronakrise sind sowohl das gesamtwirtschaftliche Angebot als auch die Nachfrage zurückgegangen. Dies hatte allgemein einen negativen Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt und eine tendenziell deflationäre Wirkung auf das Preisniveau. Die Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen erhöhen zwar die Geldmenge, ob diese aber nun in der Realwirtschaft ankommt und damit letztendlich die Inflation erhöht, hängt im entscheidenden Maß von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ab. Die Umlaufgeschwindigkeit ist derzeit der wichtigste Faktor für die Entwicklung des Preisniveaus und wird wiederum vom Zinsumfeld, von der Investitionsquote und der Sparrate bestimmt: Dass als Folge der Coronakrise die Haushalte weniger konsumieren, also vermehrt Geld sparen, und die Unternehmen weniger investieren, deutet aktuell auf eine abnehmende Umlaufgeschwindigkeit hin. Daher geht von der Geldmengenausweitung unserer Meinung nach kurz- bis mittelfristig keine inflationäre Tendenz aus.

Die wichtigen Zentralbanken kämpfen aktuell eher mit Deflationstendenzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet bis 2023 keinen maßgeblichen Anstieg der Inflation in der Eurozone. Auf längere Sicht sind Gründe für eine höhere Inflation aber durchaus denkbar, wenngleich sie in den kommenden Jahren eher eine untergeordnete Rolle spielen sollten. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die bereits eingepreisten Erwartungen der Kapitalmärkte tatsächlich realwirtschaftlich eintreffen. Wir werden in jedem Fall unser Portfolio zeitnah an die Gegebenheiten anpassen.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Juni 2020

 

 

Kommentar

Depesche - Juni 2020

Weltweit haben die Regierungen auf den Ausbruch und die Verbreitung des neuartigen Coronavirus mit einem noch nie dagewesenen Ausmaß an fiskalpolitischer Unterstützung reagiert. Gemeinsames Ziel der Industrieländer ist es, dass die Konjunktur so wenig und so kurz wie möglich Schaden nimmt, in Zeiten, in denen mehr als 90 % der Passagierflugzeuge nicht länger fliegen und ganze Branchen schlichtweg stillstehen.

Reichen die Maßnahmen aber aus, um die geschwächte, am Boden liegende Wirtschaft zu stützen? Zu vermeiden gilt vor allem eine sogenannte L-förmige Rezession, wenn also die Konjunktur abrupt sehr stark einbricht und dann nur langsam zu ihrem ursprünglichen Wachstumstrend zurückzukehrt. Die umfangreichsten fiskalpolitischen Maßnahmen gemessen an der jeweiligen Größe ihrer Volkswirtschaften ergriffen Australien, die USA, China, Deutschland, Japan und Kanada. Die milliardenschweren Unterstützungspakete erscheinen nach aktuellem Wissensstand vielversprechend, um den direkten und indirekten Folgen des Lockdowns, die zu einer L-Rezession führen würden, vorzubeugen: Laut BCA Research hat der überwiegende Anteil der Industrieländer Hilfen in Höhe von 10 % ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgewendet – Deutschland in Höhe von mehr als 30 %. Und selbst in diesem Fall fordern manche Wissenschaftler teilweise noch weitaus mehr staatliche Unterstützung, als bisher von den Regierungen aufgebracht wurde.

Weitere Schätzungen zeigen, dass das jährliche BIP eines Landes mit jedem Monat, in dem die weitreichenden Beschränkungen in Kraft sind, um jeweils 1,5 % bis 2,5 % zurückgeht. Angesichts des enormen Umfangs an Unterstützung, die in dieser Größe sicher kein zweites Mal in kurzer Zeit – oder auch nur in den kommenden Jahren – geleistet werden kann, bleibt zu hoffen, dass die ergriffenen weitreichenden Beschränkungen aufgrund ihres rigorosen Ausmaßes einmalig ausgereicht haben, um das Virus einzudämmen und eine zweite größere Infektionswelle etwa im Herbst oder Winter dieses Jahres zu verhindern. Denn sollte die Weltwirtschaft in so einem Fall eine sogenannte W-Formation erleiden, also ein weiteres Mal massiv einbrechen, müsste auch die globale fiskalpolitische Antwort ausgeweitet werden, um die Konjunktur erneut anzuschieben. Ein zweiter umfassender Lockdown wäre für die Volkswirtschaften also weitaus schädlicher, als es die nachgelagerten Effekte aus dem bereits vollzogenen Stillstand sein werden.

Aktuell zeigt die Entwicklung um das Coronavirus in vielen Ländern einen positiven Trend, was sich ebenfalls an den globalen Aktienmärkten niederschlägt. Die oben aufgeführten enormen Hilfen haben die Kapitalmärkte stabilisiert, sodass die Volatilität an den Märkten deutlich abgenommen hat und sich die Aktienmärkte wieder etwas erholt haben. Wir haben unsere Aktienquote in den letzten Wochen leicht erhöht, bleiben aber mit rund 32 % deutlich untergewichtet und somit weiterhin vorsichtig.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Mai 2020

 

 

Kommentar

Depesche - Mai 2020

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland ifo, IfW, DIW, RWI und IWH erwarten einen drastischen Einbruch der deutschen Wirtschaft – aber schwächer als zuletzt befürchtet. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose, die sie zweimal jährlich erstellen, schätzen sie, dass sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni um 9,8 % verringern wird. Das wäre der stärkste hierzulande jemals gemessene Quartalswachstumseinbruch. Sehr positiv bewerten die Forscher aber die massiven Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, die eine kräftige Erholung ermöglichen sollten. Für 2021 rechnen die Institute deshalb mit einem kräftigen Wiederaufschwung und einer Zunahme des BIP um 5,8 %. Für die Eurozone erwarten sie für denselben Zeitraum einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,3 % – weil die Rezession besonders stark Italien mit einem Minus von 9,8 % und Spanien mit einem Minus von 7,9 % treffen dürfte.

Der Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnet in seinem neuen Konjunkturausblick mit einer Weltrezession, die in ihrer Tiefe nur mit der Großen Depression 1929 vergleichbar sein dürfte – für das Jahr 2020 erwartet er einen Einbruch der Weltwirtschaft um 3 %. Deutschland etwa müsse 2020 mit einem BIP-Verlust von 7 % rechnen, Italiens Wirtschaft soll um 9,1 %, Spaniens um 8 % schrumpfen. Die USA erleide ein Minus von 6,1 %. Nach dem Einbruch soll die Weltwirtschaft 2021 dem IWF nach wieder stark wachsen – um 5,8 %.

Der ehemalige Chefökonom des IWF und Harvard-Professor Kenneth, der eher als zurückhaltender und vorsichtiger Ökonom gilt, formuliert seine aktuelle Einschätzung zur US-Konjunktur drastisch: War diese vor Kurzem der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft, werde die Wirtschaft in den USA laut Rogoff bis zu 25 % im zweiten Quartal annualisiert, also auf das Jahr hochgerechnet, einbrechen und die Arbeitslosenquote kurzfristig auf gut 13 % ansteigen.

Wie Sie sehen, gehen die Prognosen über die Konjunkturentwicklung und vor allem die Stärke eines möglichen Aufschwungs teils weit auseinander. Die Verunsicherung darüber, welche Auswirkungen der verordnete Stillstand großer Teile der Wirtschaft zur Bekämpfung des Coronavirus tatsächlich haben wird, ist selbst unter den renommiertesten und erfahrensten Experten groß. Das liegt auch daran, dass es sich bei der aktuellen Krise um ein Ereignis handelt, zu dem auch aufgrund seines weltweiten Ausmaßes und dem sehr schnellen Voranschreiten bislang noch keine verlässlichen Erfahrungswerte existieren und dessen Ausgang nur schwer zu prognostizieren ist. Wir beziehen die Einschätzungen wichtiger Experten natürlich in unsere Analysen und Überlegungen mit ein, nutzen aber im Wesentlichen unsere eigenen Modelle und Berechnungen. Trotz allem ist die Lage an den Finanzmärkten Mitte April relativ ruhig: Diese scheinen derzeit das Szenario eingepreist zu haben, dass es sich um eine eher kurz- bis mittelfristige Krise handelt und sich die globale Wirtschaft sukzessive erholen wird. Dieser Verlauf ist keineswegs sicher. Aber vielleicht liegt es im Bereich des Möglichen, dass einzelne Länder ihre Wirtschaft zumindest in Teilen wieder aktivieren. Ein solcher – wenn zu Beginn auch kleiner – Schritt zurück in Richtung Normalität wäre ein nicht zu unterschätzendes positives Signal an die Konjunktur, die Kapitalmärkte und zuletzt jeden Einzelnen von uns.