(Mega-)Börsengänge: Renditebringer oder Risikotreiber?

Börsengänge spielen am Kapitalmarkt eine wichtige Rolle: Sie demokratisieren den Vermögensaufbau, steigern die Marktliquidität und erhöhen die Transparenz im Finanzsystem. Megabörsengänge wie SpaceX, Anthropic und OpenAI und die Integration dieser Technologie-Schwergewichte in die breiten Indizes haben das Potenzial, die globale Finanzlandschaft grundlegend zu verändern.

Aug 5, 2026

Die Anzahl und Erlöse von Börsengängen fluktuieren stark von Jahr zu Jahr, da sie von der aktuellen Marktlage und dem Zinsumfeld abhängen. 2025 sammelten 1.169 Börsengänge weltweit 171,5 Mrd. USD ein. Die meisten fanden in Indien statt und die höchsten Erlöse erzielten in China gelistete Unternehmen. Obwohl Börsengänge von Unternehmen, an denen Private-Equity-Fonds beteiligt sind, weltweit nur 8 % (USA: 16 %, Europa: 13 %) aller Deals betragen, machen sie 36 % der globalen, 65 % der US-amerikanischen und fast 60 % der europäischen Erlöse aus.

Sollten Anthropic und OpenAI zu den kolportierten Bewertungen in Höhe von jeweils knapp 1 Billion US-Dollar an die Börse gehen, entspräche ihre Gesamtbewertung zusammen mit dem bereits börsennotierten Unternehmen SpaceX fast einem Drittel des inflationsbereinigten Marktwertes aller US-Börsengänge von 1980 bis 2025. Die damit verbundene höhere Abhängigkeit und Konzentration im Tech-Sektor auf KI- und KI-Infrastrukturunternehmen würde das bereits sehr hohe Klumpenrisiko weiter erhöhen. Das hohe Börsengang-Volumen könnte Umschichtungseffekte und Liquiditätsengpässe auslösen.

Bei allem Megahype sind insbesondere zwei Aspekte von zentraler Bedeutung: Zum einen ist die mittelfristige Renditeentwicklung von US-Börsengangaktien meist schlechter als der breite Markt. Am ersten Handelstag steigen die neu emittierten Aktien im Durchschnitt zwar deutlich an – ein bewusst in Kauf genommenes Phänomen, das als „Underpricing“ bezeichnet wird. Auf Fünfjahressicht aber erzielt mehr als die Hälfte aller US-Börsengänge selbst ohne Marktbereinigung eine negative Rendite.

Zum anderen gewichten Indexanbieter wie MSCI, FTSE oder Nasdaq Unternehmen anhand der Free-Float-bereinigten Marktkapitalisierung und nicht nach der gesamten Marktkapitalisierung. Diese Streubesitz-Gewichtung sorgt gerade bei Mega-Börsengängen dafür, dass Indizes nicht die astronomische Gesamtbewertung eines Unternehmens abbilden, sondern nur den tatsächlich an der Börse frei handelbaren Anteil. Bei einer Gesamtkapitalisierung eines Giganten von beispielsweise über einer Billion US-Dollar und einem Free Float von 5 % läge die reale Gewichtung im Index oft im niedrigen Bruchteil-Bereich von beispielsweise 0,21 % – obwohl das Unternehmen global zu den wertvollsten überhaupt zählt.

Wir bei Reimann Investors verfolgen eine datenbasierte Anlagephilosophie und investieren deshalb grundsätzlich weder direkt in Börsengänge noch in junge börsennotierte Unternehmen: Innerhalb unserer Strategien greifen wir also auf eine fundierte Historie zurück, die auf umfassenden und langjährigen Markt-, Fundamental- und Analystendaten basiert.

Quellen: Reimann Investors, Ernst & Young – „EY Global IPO Trends 2025“, PricewaterhouseCoopers – „Global IPO Watch H1 2026“ und Ritter (2026) – „Initial Public Offerings: Updated Long-Run Statistics“.