Oct 20, 2026

Der Irankrieg, der im Februar 2026 begann, hat sich zu einem langwierigen Konflikt entwickelt. Die Straße von Hormus, durch die ein bedeutender Teil der weltweiten Energielieferungen transportiert wird, bleibt stark eingeschränkt. Der Ölpreis der Sorte Brent erreichte am 16. Oktober rund 110 US-Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Mai. Iran hat den USA erneut ein Angebot zur Wiedereröffnung der Meerenge unterbreitet, dessen Umsetzung an Bedingungen geknüpft ist.
Die Folgen für die Geldpolitik sind spürbar. Die Fed hat nach einer längeren Pause ihren Leitzins erneut angehoben, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen mittlerweile über 5 %. Die EZB verharrt auf einem Mehrjahreshöchststand der Zinsen. Dieses Umfeld belastet kapitalintensive Branchen besonders stark: Der Immobiliensektor leidet unter steigenden Finanzierungskosten, und auch die europäische Automobilindustrie steht unter doppeltem Druck durch teure Energie und schwächelnde Konsumnachfrage. Profiteure sind der Energiesektor sowie Rüstungsunternehmen, die von steigenden Verteidigungsbudgets weltweit profitieren.
Und doch zeigt sich die Realwirtschaft erstaunlich resilient. Die US-Wirtschaft wächst weiterhin robust, getragen von starken Unternehmensgewinnen und dem KI-Investitionszyklus. Freilich: Im Technologiesektor flammten Sorgen über die Finanzierung milliardenschwerer KI-Projekte und schwache Halbleiterwerte jüngst wieder auf. Der Nasdaq 100 verlor am 16. Oktober rund 2,5 %, der S&P 500 lag knapp unter seinem Rekordhoch vom Anfang Oktober. Für Deutschland etwa wird trotz aller Belastungen ein moderates BIP-Wachstum von rund 1,3 % für 2026 erwartet – gestützt durch Investitionen in Digitalisierung, Verteidigung und Dekarbonisierung. Europas Konjunktur im Gesamten schwächelt. Die Wachstumsdynamik kommt derzeit klar aus den USA und den Schwellenländern.
Die Möglichkeit einer klassischen Jahresendrally oder einer schrittweisen Deeskalation im Nahen Osten bis Jahresende besteht und gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Gleichzeitig mahnen hohe Bewertungen, geopolitische Unsicherheiten und das anhaltend restriktive Zinsumfeld zur Wachsamkeit. Die Märkte tanzen derzeit auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig – ein Kunststück, das wir als Investor konzentriert verfolgen.
In einem anspruchsvollen Marktumfeld zeigen Multi-Asset-Strategien ihre Stärke, da sie eine flexible Anpassung an unterschiedliche Marktbedingungen ermöglichen. Sie können die Gewichtung von Aktien und Anleihen an Risikotoleranz, Anlageziel und Anlagehorizont anpassen – beispielsweise mit einer schrittweisen Reduzierung des Aktienanteils. Anlageklassen wie liquide alternative Investments und Gold dienen ebenfalls der Absicherung gegen geopolitische Risiken und erhöhen die Portfoliodiversifikation weiter.
Dabei geht ein modernes Portfolio deutlich über eine starre Aufteilung in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere hinaus, wenn gleich es sie trotzdem als wesentliche Bestandteile beibehält. Wir halten aufgrund der Zinserhöhungen von EZB und Fed sowie der gestiegenen Zinsrisiken derzeit an unserer deutlichen Untergewichtung bei Anleihen fest. Entscheidend ist die Fähigkeit, Gewichtungen flexibel an veränderte Marktbedingungen anzupassen – und genau das tun wir als aktiver Investor fortlaufend in Ihrem Interesse.
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