Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

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Kapitalmarkt

Portfolio Insights - November 2019

 

 

Kommentar

Depesche - November 2019

Wir erzeugen minütlich Unmengen an Daten. Im Jahr 2018 wurden in nur einer Minute 3.877.140 Suchanfragen auf Google gestartet, 97.222 Stunden Video auf Netflix gestreamt und 62.785 Terabyte weltweites Datenvolumen generiert. Dieses Speichern und Nutzbarmachen enormer Datenmengen heißt Big Data. Die Herausforderung: 90 % aller erzeugten Daten sind unstrukturiert wie Textausschnitte aus Nachrichtenartikeln, Tweets, Fotos, Einkaufshistorien von Kunden oder gar Aufzeichnungen von Kundendiensttelefonaten. Weil die Big-Data-Technologie über eine sehr hohe Rechenleistung und große Speicherkapazitäten verfügt, ermöglicht sie es, diese vielen unstrukturierten Daten dennoch zu analysieren.

Big Data und hohe Rechenleistungen sind Voraussetzungen für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Diese ist dem klassischen Programmieren, das bisher bei komplexen Problemlösungen Anwendung fand, überlegen: Für die Validierung einer gültigen E-Mail-Adresse etwa lassen sich Regeln definieren, die sich gut prüfen lassen. Anders sieht dies bei komplexeren Prüfungen wie zum Beispiel bei der Bestimmung einer Tierart oder bei der Gesichtserkennung aus. Hierzu müssten unendlich viele Regeln definiert werden – was schlicht und ergreifend nicht leistbar ist. Künstliche Intelligenz hingegen scheint ein Alleskönner zu sein: Sie kann simultan Sprachen übersetzen, Auto fahren, Schachgroßmeister besiegen oder selbstständig Katzen erkennen. Entscheidend dabei ist das sogenannte Signal-to-Noise-Ratio, das die Prognosegüte in einem System misst. Beim Beispiel „Katzen erkennen“ liegt ein hohes Signal-to-Noise-Ratio vor, da das Signal – das Katzenbild – den Noise, also Unschärfen im Bild oder den Bildhintergrund, dominiert. Dies ist eine ideale Umgebung für künstliche Intelligenz.

Aber können uns all die Daten auch bei Anlageentscheidungen helfen? Bei der Prognose von Aktienrenditen stößt die Anwendung künstlicher Intelligenz – zumindest noch – an ihre Grenzen. Das Signal-to-Noise-Ratio ist bei Renditeprognosen nicht nur schwach, sondern es tendiert gegen Null. Warum? Weil die Finanzmärkte naturgemäß sehr „noisy“ sind: Selbst die beste Aktie der Welt wird aufgrund unerwarteter Nachrichten heftige Bewegungen erleiden und es ist selten eindeutig, welche Information welchen Anteil an den Preisschwankungen hat. Auf der anderen Seite sorgt der Markt dafür, dass das Signal-to-Noise-Ratio klein bleibt: Wenn Händler über Informationen verfügen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zum Preisanstieg einer Aktie führen dürften, es also eigentlich ein starkes Signal gibt, werden sie nicht warten – sondern kaufen. Dadurch wird der Preis steigen – und die Information an Wert und damit das Signal an Wirkung verlieren.

Dennoch lässt sich künstliche Intelligenz im Finanzbereich bereits heute erfolgreich nutzen, denn sie kann dabei unterstützen, mathematische Modelle einfacher und zuverlässiger zu interpretieren. Wir nutzen daher in unserem Portfolio Big-Data-Technologie sowie anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse etwa im Rahmen unseres SORT-Algorithmus sowie bei unserer proprietären Qualitäts-Einzelaktien-Strategie zur Selektion der vielversprechendsten Aktien für die jeweiligen Strategieziele.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Oktober 2019

 

 

Kommentar

Depesche - Oktober 2019

China hat gezeigt, dass es geht, und vollführt, so kann man es formulieren, eine Geste des guten Willens: Mitte September hatte die Volksrepublik angekündigt, 16 US-Produkte von Strafzöllen auszunehmen, darunter Molke und Fischmehl, die als Tierfutter eingesetzt werden, sowie Medikamente, medizinische Ausrüstung und Chemikalien. Weitere Ausnahmen wolle das chinesische Finanzministerium prüfen. Zuvor hatten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt auf die Wiederaufnahme ihrer Gespräche über den Handelskonflikt Anfang Oktober geeinigt.

Mehr als ein Jahr dauert der von US-Präsident Trump ausgehende Handelskrieg nun an. Die Konsequenzen sind mittlerweile in der Realwirtschaft angekommen: Das Wachstum in den USA sowie der Weltwirtschaft hat sich abgeschwächt. Die Aktienmärkte sind beunruhigt. Doch der Handelskrieg ist aus Sicht seiner beiden primären Kontrahenten Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping vor allem eins: ein Psychospiel. Für beide geht es letztendlich darum: Wer hat beim Wirtschaftskampf den längeren Atem?

Während Trump wie gewohnt heute das eine und morgen das andere in die Welt schreibt, ist in der chinesischen Kultur das Schlimmste, was einem Chinesen passieren kann, sein Gesicht zu verlieren. China ist ein Land, das großen Wert auf alte Tradition legt. Zurückhaltung und Respekt sind dabei besonders wichtig. Seinem Gegenüber sollte immer die Möglichkeit für einen würdevollen Rückzug gegeben werden. Und ein Ja bedeutet noch lange keine Zustimmung. Eine fixe Zusage macht der chinesische Geschäftsmann sehr selten, um sich, sollte er sich geirrt haben, die Möglichkeit offenzuhalten, ohne das Gesicht zu verlieren, seine Entscheidung wieder zurückzunehmen. Unter diesem Aspekt erhalten die seit Monaten andauernden Querelen eine andere, zumindest eine zusätzliche Bedeutung. Donald Trump und seine Verhandlungstaktiken haben so wenig vom chinesischen Feingefühl wie es weniger nicht sein könnte.

China geht es um gegenseitigen Respekt. Seine im Laufe des Handelskonflikts gemachten Zugeständnisse sind nicht unerheblich, auch wenn sie häufig an bereits zuvor existierende Tendenzen anschließen. Sie könnten jedoch für Trump akzeptabel sein, könnte er doch so im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November 2020 die Kapitalmärkte beruhigen und das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherstellen. China aber kann Trump aktuell nicht für seine aggressiven und einseitigen Maßnahmen belohnen. Dies käme der Schaffung eines Präzedenzfalles gleich, durch den künftige US-Präsidenten die Volksrepublik mit Strafzöllen zu strukturellen Reformen zwingen könnten. Wer einmal einknickt, der tut es wieder. So spielt China auf Zeit: Wird Trump nicht mehr gewählt, haben sie voraussichtlich besseren Verhandlungsspielraum gegenüber den USA.

Auch wenn China wirtschaftlich den längeren Atem haben könnte und Trump – zumindest solange er kann – tut, was er gerade möchte: Beide Regierungen stehen unter zeitlichem Druck. Wenn schon mit keiner schnellen Einigung, so könnten sie sich bald zumindest mit einer Entschärfung des Konfliktes anfreunden. Und so ihr Gesicht gegenüber dem anderen wahren. Wir sind aufgrund der aktuell etwas entspannteren Lage bei Aktien leicht übergewichtet und bleiben so je nach Kursentwicklung flexibel positioniert.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - September 2019

 

 

Kommentar

Depesche - September 2019

Anfang August waren die wieder aufgenommenen Gespräche über den Handelskonflikt zwischen den USA und China binnen nur einer Woche gescheitert: US-Präsident Donald Trump hatte China mit Zöllen auf sämtliche Importe gedroht. Die Zentralbank der Volksrepublik China hatte die Landeswährung daraufhin abgewertet – oder anders formuliert, sie hatte einfach damit aufgehört, den Kurs ihrer Währung künstlich zu stützen. Der US-Dollar kostete erstmals seit elf Jahren mehr als sieben Yuan, sodass die USA die Volksrepublik nach 25 Jahren wieder als Währungsmanipulator einstuften. Die chinesische Notenbank hält trotz der Manipulationsvorwürfe aus den USA den Yuan für angemessen bewertet.

Bereits ein geringes Abschwächen der chinesischen Währung – zumal dann, wenn die weltweiten Zentralbanken zu einer lockeren Geldpolitik zurückkehren – hatte Angst vor einem globalen Währungskrieg geschürt: Die weltweiten Aktien- kurse gaben nach. Je niedriger der Kurs des Yuan gegenüber dem US-Dollar liegt, desto günstiger kann die Volksrepublik ihre Produkte in anderen Ländern verkaufen. Mit einer dauerhaften Währungsabwertung könnte China die höheren US-Zölle also mindestens zum Teil unterlaufen. China hatte seine Währung nach den Zolldrohungen Trumps zwar abgewertet, jedoch wenige Tage später in Aussicht gestellt, dass sich der Devisenmarkt zukünftig wieder stabilisieren wird.

Eine Schwächung des Renminbi und damit ein starker US-Dollarkurs ist Trump ein Gräuel, zielt der US-Präsident doch darauf ab, das US-Handelsbilanzdefizit zu reduzieren, die Produktion ins eigene Land zu holen und unterstützende Rahmenbedingungen für die US-Wirtschaft zu schaffen. Eine Währungsaufwertung hingegen wäre für China der sicherste Weg, die eigene Wirtschaft in Richtung Haushaltskonsum ins Geleichgewicht zu bringen sowie einen strategischen Konflikt mit den USA zu vermeiden. Mittlerweile aber hat der US-Handelskrieg eine Eskalationsstufe erreicht, die den globalen Handel und das weltweite Wirtschaftswachstum belastet. Was wiederum zu einem steigenden US-Dollar führt. Es scheint auch von daher nicht unwahrscheinlich, dass Trump die jüngst erreichte Eskalation durch ein Entgegenkommen seinerseits wieder wettmachen könnte. Wie etwa mit der Ankündigung, die Zölle auf Laptops, Computer oder Spielekonsolen aufzuschieben. Wieder einmal atmen die Anleger auf, die Kurse steigen.

Dass ein Handelskrieg nur Verlierer kennt, ist allgemein belegt. Und eine globalisierte, digitalisierte Welt wie die unsere lässt sich nicht von heute auf morgen auf Länderebene isolieren. Dass Trump den Druck auf China in den letzten Monaten immer weiter erhöht hat, mag auch daran liegen, dass er für Ende 2019 eine wirkliche Einigung anstreben könnte: Die damit einhergehenden Zugeständnisse Chinas würden den US-Handel, die US-Märkte und -Wirtschaft genau dann stärken und beleben, wenn Trump 2020 auf Wahlkampftour geht. Vorübergehend erwarten wir aufgrund der jüngsten Entwicklungen eine erhöhte Aktienmarktvolatilität. Daher und um die sehr gute Wertentwicklung unseres Portfolios im ersten Halbjahr 2019 zu schützen, sind wir aktuell etwas zurückhaltender in Aktien investiert.