Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

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Kapitalmarkt

Portfolio Insights - September 2020

 

 

Kommentar

Depesche - September 2020

Die Globalisierung bezeichnet die zunehmenden weltweiten Verflechtungen von Individuen, Gesellschaften und Institutionen in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation. Bereits in den vergangenen zehn Jahren und damit lange Zeit vor Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat sie sich nur noch geringfügig vertieft.

Der Globalisierungsindex (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich wurde entwickelt, um den Grad der ökonomischen, sozialen und politischen Globalisierung zu quantifizieren. Er besteht aus über 40 Variablen wie dem Außenhandel, ausländischen Investitionen, dem Internet-Datenverkehr, dem Tourismus oder der Anzahl der weltweiten McDonalds- und IKEA-Filialen. An ihm lassen sich die verschiedenen Phasen der Globalisierung gut erkennen: Von 1970 bis 1990 nahm die weltweite Vernetzung langsam zu, zwischen 1990 und 2007 nahm sie rasant zu und seitdem stagniert sie weitgehend – insbesondere in der Wirtschaft.

Kleine Länder sind oft stärker mit ihren Nachbarstaaten verbunden als große, da sie in höherem Maße vom Austausch von Gütern und Personen profitieren. So sind gemäß dem Index 2019 die Schweiz, die Niederlande und Belgien die Länder mit dem weltweit höchsten Globalisierungsgrad. Die Schweiz etwa verfügt über eine hohe Außenhandelsquote und ist der Sitz vieler internationaler Holdinggesellschaften. Zudem ist das Land durch seine zentrale Lage in Europa und als Sitz vieler internationaler Organisationen auch sozial und politisch eng vernetzt.

Nichtsdestotrotz: Natürlich hat die Coronakrise tiefgreifende Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft. Zwar war der Welthandel mit wichtigen Rohstoffen für die Produktion bereits vor der Krise im Oktober 2019 eingebrochen. Durch die Pandemie schwächte er sich aber nochmals deutlich ab. Auch der Personenverkehr ging spürbar zurück. Laut Eurostat hat die Anzahl der gemeldeten Flugzeugpassagiere in Europa im ersten Quartal 2020 um 66 % abgenommen, die transportierte Luftfracht fiel ebenfalls stark um 25 %. Der Datentransfer im Internet hingegen hat sich merklich gesteigert: 2020 stieg die durchschnittliche Datenlast am Internetknoten Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX) um 10 %. Die durch Videokonferenzen verursachte Datenlast nahm um 120 %, die durch Spiele um 30 % zu.

Sie sehen, die Globalisierung ist ein Prozess, der abhängig vom Zeitgeschehen deutlichen Schwankungen unterliegt. Wir sind der Meinung, dass sie sich nicht vollständig wird zurückdrehen lassen können. Unternehmen wie Apple denken darüber nach, ihre Produktion und Lieferketten breiter zu diversifizieren und die Produktion teilweise zum Beispiel von China nach Indien zu verlagern. Davon wird der Globalisierungsgrad nicht geringer, sondern etwas anders verteilt. Für die Digitalisierung der Gesellschaft etwa wirkt die Corona-Pandemie gleich einem Katalysator und beschleunigt die globale Kommunikation. Deshalb sind insbesondere Technologie- und Kommunikationsunternehmen Gewinner der Coronakrise, was sich auch in der starken Wertentwicklung des Technologieindex Nasdaq widerspiegelt.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - August 2020

 

 

Kommentar

Depesche - August 2020

Womöglich werden künftige Wirtschaftshistoriker die Coronavirus-Krise als entscheidende Ursache für das Ende der beschleunigten Globalisierung, die vor vier Jahrzehnten einsetzte, bezeichnen. Oder sie werden sagen: Das neuartige Coronavirus hat die Eurozone in sich gestärkt, was bis dahin kein anderes Ereignis oder Bestreben dauerhaft vermocht hatte. Ein Mensch infiziert sich auf einem Tiermarkt im chinesischen Wuhan. Und nur wenige Wochen später befindet sich die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt?

In der Krise zeigte sich bislang zweierlei: Als zu Beginn die Ungewissheit groß war und die Unsicherheit noch größer, schien sich jeder vor allem selbst der Nächste. Die Länder weltweit, aber auch die europäischen Staaten untereinander, schlossen im Rekordtempo und teilweise ohne Absprache und Einigkeit ihre Grenzen. Exportbeschränkungen wurden ohne Rücksprache verhängt. Globale Lieferketten waren von jetzt auf gleich unüberwindbar unterbrochen. Sobald einzelne Länder die Virussituation aber unter Kontrolle zu haben schienen, leisteten sie sich gegenseitig Unterstützung: China lieferte Schutzausrüstung nach Italien. Deutschland nahm schwer kranke Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich in seinen Kliniken auf.

Auf der wirtschaftlichen Ebene könnte sich das in der Vergangenheit erfolgreiche Geschäftsmodell des exportorientierten Wachstums ein Stück weit als überlebt herausstellen und die Coronavirus-Pandemie dabei wie ein Turbo wirken. Laut einer aktuellen Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (zuvor Ernst & Young) wollen mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen aufgrund der jüngsten Erfahrungen ihre Lieferketten umstrukturieren und die Liefersicherheit erhöhen, selbst um den Preis steigender Kosten. Struktureller Wandel wird in verschiedenen Branchen beschleunigt: Homeoffice, Videokonferenzen und Onlinehandel. Wenn die Menschen nicht mehr in Büros in den Großstädten dieser Erde arbeiten müssen, wird dies signifikante Auswirkungen auf die Immobilienbranche haben. Verbraucher haben ihr Einkaufsverhalten verändert, sie kaufen häufiger und mehr Produkte online: Der stationäre Handel gerät so noch stärker als bisher unter Druck, seine Geschäftsmodelle sowie Standort- und Investitionsentscheidungen anzupassen.

Dennoch: Globalisierung in der Wirtschaft beschreibt die zunehmende Integration der weltweiten Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkte. Vollständig wird sich dies nicht zurückdrehen lassen. In einem Smartphone beispielsweise stecken Rohstoffe aus aller Welt. Etwa 30 verschiedene Metalle werden für seine Produktion benötigt. Kein Land verfügt damit über die Voraussetzung, ein solches Gerät im Alleingang herzustellen. Und denken Sie an die Kapitalmärkte: Börsen, Kurse, Handel – alles ist weltweit aufs Engste miteinander verwoben, geschieht und interagiert quasi simultan, ist also in extremem Ausmaß hochglobalisiert.

Als Investoren befinden wir uns in einer komfortablen Position: Eine Krise fordert nie nur Verlierer, sondern schafft immer auch Gewinner. Für uns gilt es, die Nutznießer der sich ändernden Bedingungen, etwa den Sektor Informationstechnologie, in den wir derzeit verstärkt investiert sind, frühzeitig zu identifizieren und gemeinsam vom neuen Wachstum zu profitieren.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Juli 2020

 

 

Kommentar

Depesche - Juli 2020

Innerhalb weniger Wochen rutschte die Weltwirtschaft infolge der schnellen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in eine tiefe Rezession. Die Ankündigungen fiskal- und geldpolitischer Stützungsmaßnahmen durch nahezu alle Regierungen und Notenbanken in historischem Ausmaß stabilisierten die Märkte, erhöhten aber auch die Geldmenge in großem Umfang. Kommt in einer Welt nach Corona also die Inflation?

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der renommierte US-amerikanische Ökonom Irving Fisher die bis heute zeitgemäße Form der Quantitätstheorie des Geldes, welche die Zusammenhänge zwischen der nominalen Geldmenge, der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, des realen Bruttoinlandsproduktes und des Preisniveaus darstellt. Das Preisniveau wird demnach generell von drei Einflussfaktoren bestimmt. In der Coronakrise sind sowohl das gesamtwirtschaftliche Angebot als auch die Nachfrage zurückgegangen. Dies hatte allgemein einen negativen Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt und eine tendenziell deflationäre Wirkung auf das Preisniveau. Die Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen erhöhen zwar die Geldmenge, ob diese aber nun in der Realwirtschaft ankommt und damit letztendlich die Inflation erhöht, hängt im entscheidenden Maß von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ab. Die Umlaufgeschwindigkeit ist derzeit der wichtigste Faktor für die Entwicklung des Preisniveaus und wird wiederum vom Zinsumfeld, von der Investitionsquote und der Sparrate bestimmt: Dass als Folge der Coronakrise die Haushalte weniger konsumieren, also vermehrt Geld sparen, und die Unternehmen weniger investieren, deutet aktuell auf eine abnehmende Umlaufgeschwindigkeit hin. Daher geht von der Geldmengenausweitung unserer Meinung nach kurz- bis mittelfristig keine inflationäre Tendenz aus.

Die wichtigen Zentralbanken kämpfen aktuell eher mit Deflationstendenzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet bis 2023 keinen maßgeblichen Anstieg der Inflation in der Eurozone. Auf längere Sicht sind Gründe für eine höhere Inflation aber durchaus denkbar, wenngleich sie in den kommenden Jahren eher eine untergeordnete Rolle spielen sollten. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die bereits eingepreisten Erwartungen der Kapitalmärkte tatsächlich realwirtschaftlich eintreffen. Wir werden in jedem Fall unser Portfolio zeitnah an die Gegebenheiten anpassen.