Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

Nachfolgend finden Sie ausgewählte Artikel aus unserer Reimann Investors Depesche. Wenn Sie die vollständige Reimann Investors Depesche per Post erhalten möchten, nutzen Sie bitte nebenstehendes Formular für Ihre Bestellung. 

Sie können die Bestellung der Depesche jederzeit durch eine einfache Erklärung per Post an Reimann Investors Vermögensbetreuung GmbH, Südliche Münchner Straße 2, 82031 Grünwald oder per E-Mail an vermoegensbetreuungreimann-investorscom für die Zukunft widerrufen.

 

 

Hinweise zum Datenschutz

Die Speicherung und Nutzung Ihrer Daten durch die Reimann Investors Vermögensbetreuung GmbH erfolgt ausschließlich für die Zusendung der Reimann Investors Depesche. Eine Weitergabe Ihrer Daten an Dritte findet nicht statt.

Depeche Form de

Depeschen-Bestellung

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Dezember 2019

 

 

Kommentar

Depesche - Dezember 2019

Im dritten Quartal 2019 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im Vergleich zum Vorquartal überraschend gestiegen. Das Wachstum beträgt zwar lediglich 0,1 %. Jedoch hatten die meisten Konjunkturbeobachter erwartet, dass die Wirtschaftsleistung nach dem zweiten auch im dritten Quartal schrumpfen würde, wodurch Deutschland in eine sogenannte technische Rezession gerutscht wäre.

Seit Anfang 2017 sorgt US-Präsident Donald Trump mit seinem Handelskrieg und seinen Twitter-Nachrichten für Unsicherheit vor allem bei exportorientierten Volkswirtschaften wie Deutschland. Dass die deutsche Wirtschaft dennoch wächst, wenn auch nur minimal, zeigt, wie erstaunlich widerstandsfähig die Konjunktur aktuell noch ist. Und dass sich die Dinge manchmal anders entwickeln als angenommen. Deutschlands wichtigster Frühindikator, der ifo-Geschäftsklimaindex, ist zuletzt nicht weiter gesunken, sondern verharrt auf dem Vormonatsniveau. Die Erwartungen der Unternehmen an die deutsche Wirtschaft haben sich im Oktober verbessert. Die regelmäßig vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Börsenexperten schätzten die Konjunkturaussichten für Deutschland jüngst so gut ein wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Verstärkt werden könnte die positive Tendenz zudem durch den Bau eines Tesla-Werks in Brandenburg. Der US-Elektroautomobilhersteller plant dafür Investitionen in Höhe von bis zu vier Milliarden Euro. Mehrere Tausend Arbeitsplätze könnten durch die neue Fabrik bei Berlin entstehen, deren Bauarbeiten schon in wenigen Monaten beginnen sollen. Mit dem härtesten Wettbewerber vor Ort dürften der Ausbau und die Weiterentwicklung der Elektromobilität in Deutschland an Fahrt gewinnen. Die Region Ostdeutschland und Zuliefererbetriebe könnten ebenfalls vom Tesla-Zuzug profitieren.

Und auch die US-Konjunktur befindet sich in einer soliden Verfassung und bleibt auf Wachstumskurs: Das US-BIP ist im dritten Quartal einer ersten Schätzung zufolge um 1,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Von April bis Juni waren es 2 %. Das ifo-Weltwirtschaftsklima hingegen, eine weltweite Expertenbefragung, zeigte Mitte November erneut eine Eintrübung an: Die Weltkonjunktur kühlt sich weiter ab. Für 2020 prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) zwar ein Weltwirtschaftswachstum von 3,4 %. Allerdings hatten die Ökonomen die wirtschaftliche Lage in der Vergangenheit schon öfter zu positiv eingeschätzt. Zudem haben sie bereits eingeräumt, dass die Abwärtsrisiken in der Prognose überwiegen würden.

Indikatoren und Erwartungen zeigen also ein gemischtes Bild. Aktuell profitieren wir mit einer hohen Aktienquote von den positiven Kursentwicklungen. Die steigenden Kurse zeigen, dass die Investoren eher optimistische Erwartungen an die Zukunft haben. Mit Blick auf die derzeit unterschiedlichen Wachstumsprognosen halten wir uns aber stets die Option offen, zügig zu einer neutralen Aktienquote zurückzukehren, die es erlaubt, zeitnah und flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren. Zudem verfolgen wir kontinuierlich neue Trends und Technologien auf künftiges Investitionspotenzial.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - November 2019

 

 

Kommentar

Depesche - November 2019

Wir erzeugen minütlich Unmengen an Daten. Im Jahr 2018 wurden in nur einer Minute 3.877.140 Suchanfragen auf Google gestartet, 97.222 Stunden Video auf Netflix gestreamt und 62.785 Terabyte weltweites Datenvolumen generiert. Dieses Speichern und Nutzbarmachen enormer Datenmengen heißt Big Data. Die Herausforderung: 90 % aller erzeugten Daten sind unstrukturiert wie Textausschnitte aus Nachrichtenartikeln, Tweets, Fotos, Einkaufshistorien von Kunden oder gar Aufzeichnungen von Kundendiensttelefonaten. Weil die Big-Data-Technologie über eine sehr hohe Rechenleistung und große Speicherkapazitäten verfügt, ermöglicht sie es, diese vielen unstrukturierten Daten dennoch zu analysieren.

Big Data und hohe Rechenleistungen sind Voraussetzungen für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Diese ist dem klassischen Programmieren, das bisher bei komplexen Problemlösungen Anwendung fand, überlegen: Für die Validierung einer gültigen E-Mail-Adresse etwa lassen sich Regeln definieren, die sich gut prüfen lassen. Anders sieht dies bei komplexeren Prüfungen wie zum Beispiel bei der Bestimmung einer Tierart oder bei der Gesichtserkennung aus. Hierzu müssten unendlich viele Regeln definiert werden – was schlicht und ergreifend nicht leistbar ist. Künstliche Intelligenz hingegen scheint ein Alleskönner zu sein: Sie kann simultan Sprachen übersetzen, Auto fahren, Schachgroßmeister besiegen oder selbstständig Katzen erkennen. Entscheidend dabei ist das sogenannte Signal-to-Noise-Ratio, das die Prognosegüte in einem System misst. Beim Beispiel „Katzen erkennen“ liegt ein hohes Signal-to-Noise-Ratio vor, da das Signal – das Katzenbild – den Noise, also Unschärfen im Bild oder den Bildhintergrund, dominiert. Dies ist eine ideale Umgebung für künstliche Intelligenz.

Aber können uns all die Daten auch bei Anlageentscheidungen helfen? Bei der Prognose von Aktienrenditen stößt die Anwendung künstlicher Intelligenz – zumindest noch – an ihre Grenzen. Das Signal-to-Noise-Ratio ist bei Renditeprognosen nicht nur schwach, sondern es tendiert gegen Null. Warum? Weil die Finanzmärkte naturgemäß sehr „noisy“ sind: Selbst die beste Aktie der Welt wird aufgrund unerwarteter Nachrichten heftige Bewegungen erleiden und es ist selten eindeutig, welche Information welchen Anteil an den Preisschwankungen hat. Auf der anderen Seite sorgt der Markt dafür, dass das Signal-to-Noise-Ratio klein bleibt: Wenn Händler über Informationen verfügen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zum Preisanstieg einer Aktie führen dürften, es also eigentlich ein starkes Signal gibt, werden sie nicht warten – sondern kaufen. Dadurch wird der Preis steigen – und die Information an Wert und damit das Signal an Wirkung verlieren.

Dennoch lässt sich künstliche Intelligenz im Finanzbereich bereits heute erfolgreich nutzen, denn sie kann dabei unterstützen, mathematische Modelle einfacher und zuverlässiger zu interpretieren. Wir nutzen daher in unserem Portfolio Big-Data-Technologie sowie anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse etwa im Rahmen unseres SORT-Algorithmus sowie bei unserer proprietären Qualitäts-Einzelaktien-Strategie zur Selektion der vielversprechendsten Aktien für die jeweiligen Strategieziele.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Oktober 2019

 

 

Kommentar

Depesche - Oktober 2019

China hat gezeigt, dass es geht, und vollführt, so kann man es formulieren, eine Geste des guten Willens: Mitte September hatte die Volksrepublik angekündigt, 16 US-Produkte von Strafzöllen auszunehmen, darunter Molke und Fischmehl, die als Tierfutter eingesetzt werden, sowie Medikamente, medizinische Ausrüstung und Chemikalien. Weitere Ausnahmen wolle das chinesische Finanzministerium prüfen. Zuvor hatten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt auf die Wiederaufnahme ihrer Gespräche über den Handelskonflikt Anfang Oktober geeinigt.

Mehr als ein Jahr dauert der von US-Präsident Trump ausgehende Handelskrieg nun an. Die Konsequenzen sind mittlerweile in der Realwirtschaft angekommen: Das Wachstum in den USA sowie der Weltwirtschaft hat sich abgeschwächt. Die Aktienmärkte sind beunruhigt. Doch der Handelskrieg ist aus Sicht seiner beiden primären Kontrahenten Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping vor allem eins: ein Psychospiel. Für beide geht es letztendlich darum: Wer hat beim Wirtschaftskampf den längeren Atem?

Während Trump wie gewohnt heute das eine und morgen das andere in die Welt schreibt, ist in der chinesischen Kultur das Schlimmste, was einem Chinesen passieren kann, sein Gesicht zu verlieren. China ist ein Land, das großen Wert auf alte Tradition legt. Zurückhaltung und Respekt sind dabei besonders wichtig. Seinem Gegenüber sollte immer die Möglichkeit für einen würdevollen Rückzug gegeben werden. Und ein Ja bedeutet noch lange keine Zustimmung. Eine fixe Zusage macht der chinesische Geschäftsmann sehr selten, um sich, sollte er sich geirrt haben, die Möglichkeit offenzuhalten, ohne das Gesicht zu verlieren, seine Entscheidung wieder zurückzunehmen. Unter diesem Aspekt erhalten die seit Monaten andauernden Querelen eine andere, zumindest eine zusätzliche Bedeutung. Donald Trump und seine Verhandlungstaktiken haben so wenig vom chinesischen Feingefühl wie es weniger nicht sein könnte.

China geht es um gegenseitigen Respekt. Seine im Laufe des Handelskonflikts gemachten Zugeständnisse sind nicht unerheblich, auch wenn sie häufig an bereits zuvor existierende Tendenzen anschließen. Sie könnten jedoch für Trump akzeptabel sein, könnte er doch so im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November 2020 die Kapitalmärkte beruhigen und das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherstellen. China aber kann Trump aktuell nicht für seine aggressiven und einseitigen Maßnahmen belohnen. Dies käme der Schaffung eines Präzedenzfalles gleich, durch den künftige US-Präsidenten die Volksrepublik mit Strafzöllen zu strukturellen Reformen zwingen könnten. Wer einmal einknickt, der tut es wieder. So spielt China auf Zeit: Wird Trump nicht mehr gewählt, haben sie voraussichtlich besseren Verhandlungsspielraum gegenüber den USA.

Auch wenn China wirtschaftlich den längeren Atem haben könnte und Trump – zumindest solange er kann – tut, was er gerade möchte: Beide Regierungen stehen unter zeitlichem Druck. Wenn schon mit keiner schnellen Einigung, so könnten sie sich bald zumindest mit einer Entschärfung des Konfliktes anfreunden. Und so ihr Gesicht gegenüber dem anderen wahren. Wir sind aufgrund der aktuell etwas entspannteren Lage bei Aktien leicht übergewichtet und bleiben so je nach Kursentwicklung flexibel positioniert.