Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

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Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Januar 2021

 

 

Kommentar

Depesche - Januar 2021

Nach noch nicht einmal einem Jahr Coronavirus-Krise haben mehrere Pharmaunternehmen und Forschungsinstitute verkündet, erfolgreich einen Impfstoff gegen das neuartige Virus entwickelt zu haben. Drei Kandidaten gelten zurzeit als besonders aussichtsreich. Anfang Dezember begannen Großbritannien und Russland mit Impfungen in der Bevölkerung. Russland nutzt ein eigenes Vakzin, ebenso China, wo bereits seit Längerem geimpft wird. In Deutschland sind seit Mitte des Monats neu eingerichtete Impfzentren einsatzbereit. Ist das nun das lang ersehnte Licht am Ende des Krisentunnels? Ist Corona endlich vorüber?

Im November ergab die vorläufige Auswertung des von BioNTech in Mainz konzipierten mRNA-Impfstoffes eine 95%ige Wirksamkeit. Bis Ende des Jahres 2020 wollen das Unternehmen und sein US-Partner Pfizer 50 Millionen Dosen produzieren, haben allerdings kurz darauf wegen Problemen bei der Lieferkette ihre Auslieferungsziele um die Hälfte reduziert. Nur wenige Tage später gab das US-Unternehmen Moderna bekannt, dass sein ebenfalls auf der mRNA-Technologie basierender Impfstoff eine Schutzwirkung von 94,5 % erreiche und man für 2020 plane, 20 Millionen Dosen zu liefern. Der konventionelle, von der Oxford University und dem britisch-schwedischen Unternehmen AstraZeneca entwickelte Vektorimpfstoff soll zu zwischen 62,5 % und 90 % Schutz bieten. Bis Ende 2021 sollen drei Milliarden Impfdosen zur Verfügung stehen können.

Die Entwicklung von Impfstoffen in nur wenigen Monaten ist ein bahnbrechender Erfolg. Auf der anderen Seite veranschlagen Experten alleine für Deutschland mehrere Jahre, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Ist ein hoher Prozentsatz einer Population immun geworden – sei es durch Infektion oder durch Impfung –, ist eine indirekte Schutzwirkung gegen das Virus gegeben, wodurch sich die Ausbreitungsmöglichkeiten des Erregers vermindern. Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, Matthias Schrappe, rechnet mit seinen Kollegen modellhaft vor: Um 60 Millionen Menschen zu impfen, wenn pro Arbeitstag 60.000 Impfdosen verabreicht werden können, würde die Impfung all dieser Personen 1.000 Arbeitstage dauern – also etwa vier Jahre. Und: Diese Rechnung sei eher optimistisch. Impfprogramme in der Vergangenheit wie gegen Pocken oder Polio hätten Jahrzehnte gedauert. Zudem bleiben weitere Fragen vorerst offen: Blockieren die Wirkstoffe nur die Erkrankung oder auch die Infektion? Wie lange hält der Schutz an? Nach der Entwicklung und Produktion birgt gerade auch die Distribution der mRNA-Impfstoffe etwa aufgrund sehr hoher Anforderungen an eine ununterbrochene Kühlkette und Lagerung bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius hohe Herausforderungen.

Vorüber dürfte die Krise also in wenigen Monaten nicht sein. Aber eine stetige Verbesserung der Situation, mehr Wissen sowie Lerneffekte aus der Vergangenheit werden Schritt für Schritt dazu führen, ein Leben mit dem Virus zu akzeptieren und zu ermöglichen. Natürlich hat die permanente Unsicherheit, wann es eine entscheidende Veränderung gibt, signifikanten Einfluss auf unsere Asset-Management-Entscheidungen: Die bisherigen Monate lehrten uns, dass sich Situationen von heute auf morgen grundlegend verändern können. Wir halten daher zum einen weiterhin sogenannte Stay-home-Aktien wie Amazon und Logitech. Zugleich haben wir in den vergangenen Wochen wieder zunehmend in zyklische Unternehmen investiert: Dazu zählen unter anderem Aktien aus dem Finanz-, Energie- und Transportsektor, die nach dem Abklingen der Coronakrise unserer Einschätzung nach über deutliches Aufholpotenzial verfügen. Auf diese Weise diversifizieren wir unser Sondervermögen über verschiedene Szenarien und bereiten uns langsam auf eine Zeit nach der Corona-Pandemie vor.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Dezember 2020

 

 

Kommentar

Depesche - Dezember 2020

Die US-Präsidentschaftswahlen beherrschten die weltweiten Aktienmärkte über viele Wochen im Vorfeld. Eine Sorge der Anleger lautete, dass ein Sieg Joe Bidens zu Kursabschlägen führen könnte, denn sein politisches Programm beinhaltet auch höhere Unternehmenssteuern sowie eine stärkere Regulierung der Wirtschaft. Aber die Furcht bestätigte sich nicht, die Aktienkurse legten vor und nach Bidens Wahl deutlich zu.

Was bedeutet nun die Wahl des Demokraten Joe Biden zum neuen US-Präsidenten? Umbruch, Aufbruch oder Kontinui- tät? Auch wenn seine Politik verglichen mit der Donald Trumps im Ton versöhnlicher werden dürfte, werden die Entscheidungen des neuen Präsidenten primär auf die Interessen der USA abzielen. Die Erhöhung der Unternehmens- steuer von 21 % auf 28 % sowie der Wiederbeitritt zum Pariser Klimaschutzabkommen, niedrigere CO2-Emissionen, die Abkehr von fossilen Brennstoffen und mehr Verbraucherschutz stehen zwar in deutlichem Gegensatz zur Politik seines Vorgängers. Außenpolitisch dürfte Biden Allianzen erneuern und Konflikte diplomatisch lösen wollen, aber ebenfalls amerikanische Interessen in den Fokus stellen. Und ähnlich Trump fordert auch Biden eine expansive Fiskalpolitik sowie umfangreiche Konjunkturpakete. Das neue Corona-Hilfspaket, das unter anderem Arbeitslosenunterstützung, Hilfen für Unternehmen und Mittel zur Pandemiebekämpfung enthält, soll voraussichtlich 1,5 bis 4 Billionen US-Dollar umfassen. Bereits das im März beschlossene Stimuluspaket enthielt Leistungen in Höhe von 2 Billionen US-Dollar.

Ob Joe Biden „durchregieren“ kann oder ob er für seine Politik auf die Zusammenarbeit beider Parteien, der Demokraten und Republikaner, angewiesen sein wird, entscheidet sich erst Anfang Januar: Im Senat haben die Republikaner derzeit (16.11.2020) 50, die Demokraten 48 von 100 Sitzen. Noch offen ist die künftige Besetzung von zwei Sitzen, die dem Bundesstaat Georgia zustehen, und die bei einer Stichwahl am 5. Januar vergeben werden. Sollten die Demokraten beide Mandate erobern, entstünde im Senat eine 50-zu-50-Pattsituation. Für diesen Fall sieht die US-Verfassung vor, dass die Vizepräsidentin bei den Senatsentscheidungen mit ihrer Stimme die Mehrheit herstellt. Im Repräsentantenhaus haben die US-Demokraten ihre Mehrheit bereits verteidigt.

In den Tagen unmittelbar nach der Wahl, vom 3.11. bis zum 6.11., gewann der S&P 500 +4,2 % an Wert hinzu. Auch die europäischen Aktienmärkte und die Aktien aus Schwellenländern reagierten positiv. Unserer Ansicht nach sollte sich unter Joe Bidens Präsidentschaft die geopolitische Unsicherheit verringern, auch wenn wir keinen signifikanten Kurswechsel in der US-Außenpolitik erwarten. Die höhere Stabilität und Planbarkeit der Politik Bidens dürften zusammen mit einem Stimuluspaket für weitere positive Impulse sorgen. Ebenfalls zuversichtlich stimmt es die Märkte, dass Biden aktuell keine Mehrheit im Kongress besitzt und daher bei seinem Wirtschaftsprogramm auf Zugeständnisse der republikanischen Partei angewiesen sein könnte.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - November 2020

 

 

Kommentar

Depesche - November 2020

Am 3. November ist US-Präsidentschaftswahl. Medial steht das Ereignis angesichts der Coronavirus-Pandemie – zumindest hier in Deutschland – deutlich weniger im Vordergrund, als dies bei anderen US-Wahlen der Fall gewesen war. Dennoch und auch wenn sich die USA seit einigen Jahren aus dem globalen politischen Geschehen zurückziehen – weniger entscheidend für den Rest der Welt ist der Urnengang nicht.

Der Nachrichtendienst Bloomberg sieht Joe Biden in ständig aktualisierten Prognosen klar in Führung. Das „Handelsblatt“ bezieht sich am 15. Oktober auf Umfragen, in denen Joe Biden mit 51,6 % gegenüber Donald Trump mit 42,4 % die Wahl gewinnen wird. Aber selbst, wenn der Demokrat Biden derzeit knapp vorne liegt, ist noch nichts entschieden: Auch 2016 hatte niemand mit einem Sieg Trumps gerechnet. Am Ende können nur wenige Stimmen entscheidend sein. Umfragen sind ein Ausschnitt der Realität. Und nicht überall finden Umfragen statt; zudem sind Prognosen lediglich eine Näherung. Als am 2. Oktober bekannt wurde, dass Trump sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, lautete die große Frage: Wird dieses Ereignis den Wahlausgang signifikant verändern? Rund eine Woche danach zeigten die Umfragen nicht, dass die Wähler ihm für seine Erkrankung einen Sympathiebonus geben würden. Biden hatte seinen Vorsprung ausbauen können, sowohl im bundesweiten Schnitt als auch in den umkämpften Bundesstaaten, wo er in zehn von elf leicht vorne lag. Und Trump? Der zieht nach seiner Genesung weiterhin den Sinn von Masken im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus in Zweifel und sagte bei einem Wahlkampfauftritt: „85 % der Menschen, die eine Maske tragen, fangen es sich ein.“

Das Coronavirus ist vorherrschendes Thema des diesjährigen Wahlkampfs, aber nicht das einzige: Während Trump weiterhin niedrige Steuern für Unternehmen, weniger Regulierung etwa im Energie- und Finanzdienstleistungssektor, eine aggressive Handelspolitik und mitunter weniger Konjunkturhilfen fordert, steht Biden für höhere Unternehmenssteuern, mehr Regulierung, dafür aber wahrscheinlich auch mehr Konjunkturhilfen. Zudem legt er bei der Außenpolitik den Fokus auf Allianzen und Multilateralismus. Beide Kandidaten möchten die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente reduzieren und fordern höhere Infrastrukturausgaben. Auch wenn ihre Programme also teils sehr unterschiedlich sind, das Wachstum der US-Wirtschaft, das auch für die Kapitalmärkte entscheidend ist, steht im Fokus beider Präsidentschaftskandidaten. Nur ist der Weg dahin und der dafür angesetzte Zeitraum jeweils ein anderer.

Die Aktienmärkte reagieren derzeit nervös auf jede Form von Unsicherheit: Steigen die Corona-Fallzahlen, geben die Kurse nach. Besteht Hoffnung auf ein baldiges Hilfspaket, steigen sie. Und so wird auch jede Äußerung und jeder körperliche Zustand beider Kandidaten genauestens verfolgt. Die aktuellen Rahmenbedingungen wie ein niedriges Zinsumfeld stützen die Aktienmärkte. Unabhängig vom Ausgang der Wahl, wird wohl jeder neue Präsident die Wirtschaft mit umfangreichen Hilfspakten unterstützen. Wir gehen davon aus, dass Aktien kurz- bis mittelfristig davon profitieren werden und gewichten diese derzeit leicht über.