Unsere Marktmeinung: Die Reimann Investors Depesche

Nachfolgend finden Sie ausgewählte Artikel aus unserer Reimann Investors Depesche. Wenn Sie die vollständige Reimann Investors Depesche per Post erhalten möchten, nutzen Sie bitte nebenstehendes Formular für Ihre Bestellung. 

Sie können die Bestellung der Depesche jederzeit durch eine einfache Erklärung per Post an Reimann Investors Vermögensbetreuung GmbH, Südliche Münchner Straße 2, 82031 Grünwald oder per E-Mail an vermoegensbetreuungreimann-investorscom für die Zukunft widerrufen.

 

 

Hinweise zum Datenschutz

Die Speicherung und Nutzung Ihrer Daten durch die Reimann Investors Vermögensbetreuung GmbH erfolgt ausschließlich für die Zusendung der Reimann Investors Depesche. Eine Weitergabe Ihrer Daten an Dritte findet nicht statt.

Depeche Form de

Depeschen-Bestellung

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - Oktober 2020

 

 

Kommentar

Depesche - Oktober 2020

Seit Ende März befanden sich die US-Börsen im Höhenflug. Die Aussicht auf weit geöffnete Notenbank-Geldschleusen, die hohe Nachfrage nach Technologieaktien und die Hoffnung auf einen raschen Erfolg bei der Corona-Impfstoffsuche trieb die Rally immer weiter an. Analysiert man die Performance des US-amerikanischen Leitindex S&P 500 aber genauer, erkennt man: Der Wertzuwachs stammte überwiegend aus Informationstechnologietiteln. Seit Mitte März entfielen vom S&P-500-Gewinn ganze 28 % auf die großen US-Tech-Firmen wie Amazon, Microsoft, Apple und den Google-Konzern Alphabet. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind es also vor allem eine eher geringe Anzahl von Aktien, meist aus dem Technologiesektor, die die Börsen antreiben und seit März eine erstaunliche Erholung befeuerten. Mitte August erreichte der S&P 500 ein neues Allzeithoch. Ob diese Erholung an den Finanzmärkten zu schnell und optimistisch war, lässt sich erst in der Retrospektive beurteilen. Eines lässt sich aber bereits jetzt konstatieren: die Corona-Krise hat die in Deutschland verschlafene Digitalisierung beschleunigt. Das war richtig und wichtig. In den weltweiten Lockdownzeiten zur Eindämmung der Pandemie war es die Technologie, die das Leben von zu Hause aus zumindest in halbwegs geordneten Bahnen weiterlaufen ließ – sei es durch Homeoffice, Onlineshopping oder Videochats mit Geschäftspartnern, Familie und Freunden. Experten sehen zudem einen langfristigen Trend: Homeoffice, Videokonferenzen, Cloud- Computing – die Unternehmen haben schnell reagieren müssen. Doch bereits nach wenigen Wochen hatten sie umgedacht und sich von den Vorteilen wie deutlicher Kosteneinsparung überzeugt. Daher planen sie nun strategisch und integrieren und erweitern Digitales nachhaltig. Das belegen aktuelle Umfragen und Studien. Anbieter von IT-Hardware und -Lösungen übertreffen mit ihren derzeitigen Quartalsgewinnen mitunter die Erwartungen der Analysten. Apple war Mitte August als erstes Unternehmen zwei Billionen US-Dollar wert und verdeutlichte damit eindrucksvoll die Relevanz der Technologieaktien. Dieser Trend hält in den USA schon über zehn Jahre an und ist letztendlich der Grund dafür, dass sich der US-Leitindex deutlich besser entwickelte als vergleichbare Indizes in Europa.

Die Corona-Pandemie beschleunigt die globale Digitalisierung also in ungeahnter Weise innerhalb kürzester Zeit und auf unterschiedlichsten Ebenen – unternehmensseitig, privat, strukturell. Anfang September wurde der Höhenflug des Nasdaq vorerst jäh gebremst. Der Grund hierfür dürfte in dem – aus historischer Sicht – relativ hohen Bewertungsniveau und den damit einhergehenden Gewinnmitnahmen liegen. Die anhaltend hohen Unternehmensgewinne der vergangenen Monate deuten trotzdem eher auf eine seit Längerem fällige Korrektur als auf eine langfristige Abwärtsbewegung hin. Der Sektor wird unserer Meinung nach sehr wichtig bleiben, allerdings ist auch er nicht völlig losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die auch in 2021 noch von der Corona-Krise beeinträchtigt sein wird. Wir agieren daher weiterhin umsichtig und analysieren auch Sektoren außerhalb des Technologiebereichs, da wir zum Beispiel auch in zyklischen Sektoren zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Wiedererstarken rechnen.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - September 2020

 

 

Kommentar

Depesche - September 2020

Die Globalisierung bezeichnet die zunehmenden weltweiten Verflechtungen von Individuen, Gesellschaften und Institutionen in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation. Bereits in den vergangenen zehn Jahren und damit lange Zeit vor Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat sie sich nur noch geringfügig vertieft.

Der Globalisierungsindex (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich wurde entwickelt, um den Grad der ökonomischen, sozialen und politischen Globalisierung zu quantifizieren. Er besteht aus über 40 Variablen wie dem Außenhandel, ausländischen Investitionen, dem Internet-Datenverkehr, dem Tourismus oder der Anzahl der weltweiten McDonalds- und IKEA-Filialen. An ihm lassen sich die verschiedenen Phasen der Globalisierung gut erkennen: Von 1970 bis 1990 nahm die weltweite Vernetzung langsam zu, zwischen 1990 und 2007 nahm sie rasant zu und seitdem stagniert sie weitgehend – insbesondere in der Wirtschaft.

Kleine Länder sind oft stärker mit ihren Nachbarstaaten verbunden als große, da sie in höherem Maße vom Austausch von Gütern und Personen profitieren. So sind gemäß dem Index 2019 die Schweiz, die Niederlande und Belgien die Länder mit dem weltweit höchsten Globalisierungsgrad. Die Schweiz etwa verfügt über eine hohe Außenhandelsquote und ist der Sitz vieler internationaler Holdinggesellschaften. Zudem ist das Land durch seine zentrale Lage in Europa und als Sitz vieler internationaler Organisationen auch sozial und politisch eng vernetzt.

Nichtsdestotrotz: Natürlich hat die Coronakrise tiefgreifende Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft. Zwar war der Welthandel mit wichtigen Rohstoffen für die Produktion bereits vor der Krise im Oktober 2019 eingebrochen. Durch die Pandemie schwächte er sich aber nochmals deutlich ab. Auch der Personenverkehr ging spürbar zurück. Laut Eurostat hat die Anzahl der gemeldeten Flugzeugpassagiere in Europa im ersten Quartal 2020 um 66 % abgenommen, die transportierte Luftfracht fiel ebenfalls stark um 25 %. Der Datentransfer im Internet hingegen hat sich merklich gesteigert: 2020 stieg die durchschnittliche Datenlast am Internetknoten Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX) um 10 %. Die durch Videokonferenzen verursachte Datenlast nahm um 120 %, die durch Spiele um 30 % zu.

Sie sehen, die Globalisierung ist ein Prozess, der abhängig vom Zeitgeschehen deutlichen Schwankungen unterliegt. Wir sind der Meinung, dass sie sich nicht vollständig wird zurückdrehen lassen können. Unternehmen wie Apple denken darüber nach, ihre Produktion und Lieferketten breiter zu diversifizieren und die Produktion teilweise zum Beispiel von China nach Indien zu verlagern. Davon wird der Globalisierungsgrad nicht geringer, sondern etwas anders verteilt. Für die Digitalisierung der Gesellschaft etwa wirkt die Corona-Pandemie gleich einem Katalysator und beschleunigt die globale Kommunikation. Deshalb sind insbesondere Technologie- und Kommunikationsunternehmen Gewinner der Coronakrise, was sich auch in der starken Wertentwicklung des Technologieindex Nasdaq widerspiegelt.

Kapitalmarkt

Portfolio Insights - August 2020

 

 

Kommentar

Depesche - August 2020

Womöglich werden künftige Wirtschaftshistoriker die Coronavirus-Krise als entscheidende Ursache für das Ende der beschleunigten Globalisierung, die vor vier Jahrzehnten einsetzte, bezeichnen. Oder sie werden sagen: Das neuartige Coronavirus hat die Eurozone in sich gestärkt, was bis dahin kein anderes Ereignis oder Bestreben dauerhaft vermocht hatte. Ein Mensch infiziert sich auf einem Tiermarkt im chinesischen Wuhan. Und nur wenige Wochen später befindet sich die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt?

In der Krise zeigte sich bislang zweierlei: Als zu Beginn die Ungewissheit groß war und die Unsicherheit noch größer, schien sich jeder vor allem selbst der Nächste. Die Länder weltweit, aber auch die europäischen Staaten untereinander, schlossen im Rekordtempo und teilweise ohne Absprache und Einigkeit ihre Grenzen. Exportbeschränkungen wurden ohne Rücksprache verhängt. Globale Lieferketten waren von jetzt auf gleich unüberwindbar unterbrochen. Sobald einzelne Länder die Virussituation aber unter Kontrolle zu haben schienen, leisteten sie sich gegenseitig Unterstützung: China lieferte Schutzausrüstung nach Italien. Deutschland nahm schwer kranke Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich in seinen Kliniken auf.

Auf der wirtschaftlichen Ebene könnte sich das in der Vergangenheit erfolgreiche Geschäftsmodell des exportorientierten Wachstums ein Stück weit als überlebt herausstellen und die Coronavirus-Pandemie dabei wie ein Turbo wirken. Laut einer aktuellen Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (zuvor Ernst & Young) wollen mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen aufgrund der jüngsten Erfahrungen ihre Lieferketten umstrukturieren und die Liefersicherheit erhöhen, selbst um den Preis steigender Kosten. Struktureller Wandel wird in verschiedenen Branchen beschleunigt: Homeoffice, Videokonferenzen und Onlinehandel. Wenn die Menschen nicht mehr in Büros in den Großstädten dieser Erde arbeiten müssen, wird dies signifikante Auswirkungen auf die Immobilienbranche haben. Verbraucher haben ihr Einkaufsverhalten verändert, sie kaufen häufiger und mehr Produkte online: Der stationäre Handel gerät so noch stärker als bisher unter Druck, seine Geschäftsmodelle sowie Standort- und Investitionsentscheidungen anzupassen.

Dennoch: Globalisierung in der Wirtschaft beschreibt die zunehmende Integration der weltweiten Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkte. Vollständig wird sich dies nicht zurückdrehen lassen. In einem Smartphone beispielsweise stecken Rohstoffe aus aller Welt. Etwa 30 verschiedene Metalle werden für seine Produktion benötigt. Kein Land verfügt damit über die Voraussetzung, ein solches Gerät im Alleingang herzustellen. Und denken Sie an die Kapitalmärkte: Börsen, Kurse, Handel – alles ist weltweit aufs Engste miteinander verwoben, geschieht und interagiert quasi simultan, ist also in extremem Ausmaß hochglobalisiert.

Als Investoren befinden wir uns in einer komfortablen Position: Eine Krise fordert nie nur Verlierer, sondern schafft immer auch Gewinner. Für uns gilt es, die Nutznießer der sich ändernden Bedingungen, etwa den Sektor Informationstechnologie, in den wir derzeit verstärkt investiert sind, frühzeitig zu identifizieren und gemeinsam vom neuen Wachstum zu profitieren.